Mentale Gesundheit

Im 1. Buch Mose, Kapitel 11 wird berichtet, die Gott die ursprünglich nur eine Sprache der Menschen verwirrt, als sie beginnen, einen Turm zu bauen, der bis in den Himmel reichen soll um sich damit „einen Namen zu machen“ – denn, so heißt es weiter, es soll ihnen nicht alles erreichbar sein, was sie sich vornehmen.

Diese babylonische Sprachverwirrung hängt aber auch drohend über all denen, die sogar die gleiche Sprache sprechen. Viele Worte haben unterschiedliche Bedeutungen und sind damit Auslöser von Irrtümern, Fehlurteilen, Streit und Racheaktionen, kurz zusammengefasst: Denken in falschen Kategorien.

Im Sinne dieses Blogs befinden wir uns im Wirkungsbereich der Kategorie Hirn.

Ein klassisches Beispiel dafür ist die immer häufiger verwendete Bezeichnung „Mentale Gesundheit“.

Wer als erster diesen englischen Begriff „mental health“ für psychische Gesundheit populär gemacht hat, weiß ich nicht – aber vermutlich sollte damit betroffenen Personen die Zuschreibung psychiatrischer bzw. psychotherapeutischer Diagnosen erspart werden, nur: so wird man die Verwendung dieser Fachworte als Spott und Beschimpfung nicht zum Verschwinden bringen.

Psychische Gesundheit gehört in die Kategorie Herz, so wie körperliches Wohlbefinden in die Kategorie Hand gehört, und dass alle drei aufeinander einwirkend eine Einheit bilden, ist seit der Wieder-Entdeckung von Psychosomatik bzw. Somatopsychologie weitgehend unbestritten.

Mentale Gesundheit bedeutet, sich der eigenen wie auch fremder Denkmuster bewusst zu sein. Im Talmud heißt es:


Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.


Was dabei nicht beigefügt, aber extrem wichtig ist, nenne ich in meiner Publizistik die Suggestivkraft der Sprache: wenn beispielsweise die Gleichsetzung von psychischer und mentaler Gesundheit unwidersprochen bleibt, fehlt die Aufklärung, wie selbsterlebte psychische Verletzungen dadurch, dass man sie als ganz normal oder gar ausdrücklich verteidigt erlebt hat, als ganz normal weitergegeben werden.

Wir kennen das von der „gesunden Watschen, die noch niemand geschadet hat“, von der unerwünschten sexuellen Anmache oder vom Grooming, mit dem kleine Kinder sexuell gefügig gemacht wurden: Man gibt einfach als natürlich, üblich oder lustig weiter und manipuliert damit das Denken anderer.

Verletzte Seelen verletzen andere Seelen (und finden das ganz in Ordnung).

Unbewusst machen wir das alle – je nach individueller oder kollektiver Erziehung, man braucht dazu nur in die Geschichte schauen.

Bewusst geschieht es in jeglicher Werbung (politische und Heiratsschleicherei mitgemeint), in gezielten Indoktrinationen bzw. Gehirnwäschen und in bestimmten Psychotherapieformen. Der Unterschied liegt vor allem darin, wem das nützt (nützen soll) und wie offen der Nutzen erkennbar gemacht wird.

In der von mir in den 1990er Jahren entwickelten und in meiner Zeit als Gastprofessorin an der Donau Universität Krems von mir als Masterstudium unterrichteten Methode PROvokativpädagogik (PRO als prosozial groß geschrieben! Nicht zu verwechseln, mit der völlig anderen „Provokationspädagogik“, mit der meine Nachfolger:innen sich vermutlich meinen Good Will aneignen wollten) habe ich genau dieses bewusste Differenzieren in der Wahrnehmung als Ansatz zur salutogenen Neuverbindung im Handeln nutzbar gezeigt.

Wann ich wieder PROvokativpädagogik unterrichten werde, ist meinen monatlichen kostenlosen Newslettern „Perners Buffet“ sowie meinen Homepages www.perner.info und www.salutogenese.org.at zu entnehmen.