Resonanzen

Von Johann Wolfgang v. Goethe stammt der Satz „Wäre nicht das Auge sonnenhaft, Die Sonne könnt es nie erblicken“ (aus seiner Farbenlehre – und weiter heißt es an dieser Stelle: „Läg nicht in uns des Gottes eigne Kraft, Wie könnt uns Göttliches entzücken?“).

Es geht also um Resonanz.

Dort wo wir keine Resonanz besitzen – wo wir also nicht mit eigenem gleichen Denken, Fühlen, Empfinden oder sogar Intuitionen reagieren, nehmen wir kaum wahr: es „berührt uns nicht“, es versetzte uns nicht in „Gleichklang“.

Daran musste ich denken, als ich in den Tageszeitungen las, der Europaabgeordnete Harald Vilimsky hätte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Parlamentspräsidentin Roberta Metsola und die Präsidentin der Europäischen Zentralbank Christine Lagarde als „Hexentrio“ bezeichnet, die er „die Peitsche spüren lassen will“. So in den Salzburger Nachrichten, 19. Juli 2024, S. 2 unter dem Titel „Fürchtet Vilimsky starke Frauen?“ – aber das glaube ich nun doch nicht.

Möglicherweise wollte er – Handelsakademieabsolvent – im Abklatsch zu Friedrich Nietzsches viel – aber nicht korrekt – zitierter Wortverbindung von Weib und Peitsche sich ein Mäntelchen klassischer Bildung umhängen? Oder aber witzig sein? Das sollten Abgeordnete lieber den Profis – den Kabarettisten – überlassen, solche „Gags“ sind Bumerangs, das hat schon Bundeskanzler Nehammer schmerzlich erfahren müssen.

Oder hoffte er damit auf Stimmenzuwachs aus der SM-Szene? Dort ist seine Mittelalter-Reminiszenz wohlwollend aufgenommen worden, wie ich heute durch einen Anruf einer Aktivistin informiert wurde.

Jedenfalls wissen wir Frauen jetzt genau, welche geistigen Bilder er bei studierten Fachfrauen wie der Ärztin Van der Leyen und den beiden Juristinnen Metsola und Lagarde konstruiert und der Öffentlichkeit als Ohrwurm einpflanzen will: sie müssen wohl Hexerei betreiben – anders wäre doch nicht erklärbar, dass sie kompetenter geworden wären als Durchschnittsmänner.

Und genau diese Methode, abwertende Slogans zu kreieren und medial zu verbreiten, fällt unter – allerdings „schwarze“ – Sprachmagie (vgl. die beiden NLP-Grundsatzbücher „Die Struktur der Magie“ 1 und 2) und vergiften nicht nur das interpersonelle soziale Klima sondern letztlich intrapersonal auch ihren Schöpfer.



In erweiterter Form am 24-07-2024 unter dem Titel „,Schwarze‘ Sprachmagie“ als Gastkommentar im Kurier erschienen.